#mindblown

Man sollte meinen, als Journalistik-Student wäre man vertraut mit den gängigen Größen, Zahlen und Messwerten. Man wüsste, dass Projekte durch die Decke gehen können, wenn einen bestimmte Quellen verlinken und dass innerhalb ganz kurzer Zeit total verrückte Zahlen zustande kommen können.

Das ist die Theorie. Die Praxis ist: man arbeitet wochenlang an einer multimedialen Reportage zum 70. Jahrestag der Bombardierung Magdeburgs, liest jeden Text x-mal gegen – auf Rechtschreibung, auf Stil, auf Fakten – und stellt beim vierten Mal lesen wieder kleine Unstimmigkeiten und große Fehler fest. Man testet verschiedene Tools aus, verwirft das eine, landet beim nächsten. Nur über Kennzahlen macht man sich in der Zeit keinen Kopf mehr.

Dann ist der große Tag gekommen. Ein Tag, an dem Rechte durch Magdeburg ziehen werden, die halbe Stadt dagegen demonstriert – und eben auch die Website online gehen wird. Trotz aller Vorsicht und Vorbereitung ist man jetzt der Öffentlichkeit ausgeliefert. Dass das Thema heikel ist, wussten wir von Anfang an. Dass es auch an für uns unerwarteten Stellen missverständlich ist, haben wir spätestens nach der ersten Ankündigung im Blog erfahren, als uns auf Twitter ein Nutzer anschrieb und Bedenken anmeldete, dass wir einen Opfermythos schaffen könnten.

Die Bedenken waren nachvollziehbar – und so schickten wir noch eine zweite Ankündigung hinterher, die alle Zweifel ausräumen sollte.
Umso größer war die Freude und Entspannung, als gegen Mittag die ersten 1000 Seitenaufrufe auf 400 Sitzungen verteilt zu Stande gekommen waren, mehr als 300 Leser die Seite besucht hatten und einige Zeit dort verbracht hatten – „Thema verfehlt“ sieht anders aus.

Etwa zu der Zeit beginnen wir, uns in unserer Facebook-Gruppe Zahlen hin- und herzusenden. Zugriffszahlen, Twitter Analytik, Facebook-Reichweite – alles bewegte sich schon jetzt in Sphären, die unsere Erwartungen in jedem Fall erfüllten übertrafen.

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Damit nicht genug: Die tollen Zahlen wurden bald geknackt. Schon um 16:00 Uhr waren 700 Besucher auf unserer Seite und hatten alleine an diesem einzigen Tag 2000 Seiten angesehen.
Für mich ist dann erst einmal Pause. Ich gehe in eine Kneipe, rede ein wenig mit einer ehemaligen Kollegin. Als ich zurückkomme, will ich nur noch kurz die Mails durchlesen. Ein Haufen Facebook-Benachrichtigungen sind darunter, fast alle aus unserer Facebook-Gruppe. Die Zahlen darin sind berauschend: mehr als 2000 Besucher, weit über 5000 Seitenaufrufe, zwischen 18:00 und 19:00 Uhr explodieren die Zugriffszahlen geradezu.
Langsam wird klar: Wir wurden nicht nur in Tweets vom MDR, von der Mitteldeutschen Zeitung und vom offiziellen Account der Stadt Magdeburg empfohlen – der Link zu unserer Seite stand auch in einer dpa-Meldung, die dpa-Meldung wiederum ab 16:22 Uhr unter anderem auf welt.de.

Als ich um 00:22 Google Analytics aufmache, stehen die Zahlen für den gesamten Tag fest: fast 2.300 Nutzer, mehr als 2.500 Sitzungen und über 5.800 Seitenaufrufe.

Egal, wie oft und wie gut man sich über Einschaltquoten, Auflagenzahlen oder Klicks und Reichweiten informiert – wenn es das eigene Projekt betrifft, haut es einen um.

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Mein Dank für dieses Erlebnis geht an das gesamte DieWaehlerischen-Team, das das Projekt geteilt, getwittert und auch ansonsten von Kräften unterstützt hat, besonders aber an Luca, Paul, Ronald und Manu, die Texte und Bilder recherchiert und Slideshows und Interviews produziert haben sowie Prof. Wuschig, unter deren Leitung das Projekt erst entstehen konnte.

Bildnachweis
CC-BY-SA 3.0 Nevit Dilmen